Die HAUS DER LANDSCHAFT | REDAKTION hat im Rahmen der Interviewserie „Wer plant Landschaft?“ mit Maria Anna Schneider-Moosbrugger, Inhaberin und Büroleiterin des Vorarlberger Landschaftsarchitekturbüros LandRise, gesprochen. In Westösterreich herrscht ja bekanntlich ein starkes Bewusstsein für Architektur, dass die Landschaftsarchitektur dem um nichts nachsteht, wird in diesem Interview klar. 

 

HdL: Frau Schneider-Moosbrugger, was verstehen Sie als Landschaftsarchitektin eigentlich unter „Landschaft“?

Schneider-Moosbrugger: Landschaften bieten eine Fülle an Lebensräumen für Mensch und Mitwelt. Egal ob Stadt- oder Regionallandschaften, es gilt das Beste an Raumqualität herauszufiltern: Extraktion, um dann wieder zu verbinden und in Zusammenhang zu bringen. Naturerfahrung wohnt Landschaften erfahrungsgemäß auch immer inne. Jedoch immer öfters als Herausforderung, im Idealfall als Beweis von Raumresilienz.

Außerdem ist Landschaft Begegnung und Interaktion, idealerweise Heimat im Sinne eines existenziellen Bezugs. Wird Landschaft zum Ort für Gemeinschaften, so werden soziale Ressourcen gehoben. Landschaften sind Archive oder auch Erinnerungsräume. Landschaften faszinieren im Wandel der Zeit, wenig Statisches wohnt Landschaften inne. Will ich Landschaft begreifen, muss ich nachfragen, womöglich nachbohren, beobachten und reflektieren. Landschaft bedeutet für mich Dialog mit dem Raum, seinem Leben und den Menschen. Und immer auch mit mir selbst, Landschaft ist schließlich Beziehung.

 

HdL: Was sind die Tätigkeitsschwerpunkte Ihres Planungsbüros und wie groß ist Ihr Team?

Schneider-Moosbrugger: Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur machen gut die Hälfte der Aufträge von LandRise aus. Zunehmend an Bedeutung gewinnen dabei freiraumplanerische Konzepte für größere Wohnquartiere, diese bergen vielfältige Potentiale. Interessante Referenzen hat mein Büro mit qualitätsvollen Planungen zu Gewerbe und Industrie vorzuweisen. Neben einer ästhetisch-repräsentativen Aussage sind mir dabei die Entwicklung attraktiver Freiräume für Mitarbeiter sowie Refugien für heimische Tier- und Pflanzenarten ein Anliegen.

Die Erarbeitung raumplanerischer Konzepte ist ein weiteres Standbein von LandRise. Räumliche Entwicklungspläne, Quartiersentwicklungspläne sowie Spiel- und Freiraumkonzepte sind fixer Bestandteil unseres Leistungsspektrums. Und meine persönliche Passion ist Kulturlandschaftsforschung. Dabei verfolge ich auch eine kritische Auseinandersetzung mit Ressourcen- und Klimaschutz.

Mit einem Team von insgesamt drei Mitarbeitern sind wir für das breite Aufgabenfeld gut aufgestellt, Synergien zwischen den einzelnen Schwerpunkten für unsere Kunden inbegriffen.

 

HdL: Was inspiriert und leitet Sie, was liegt ihrer Arbeit zu Grunde?

Schneider-Moosbrugger: Wenn es gelingt Landschaft und Menschen zusammenzubringen und dabei Mitweltverständnis zu kreieren, so ist es das Beste. Die Basis jedes kreativen Prozesses ist für mich die Atmosphäre, bevor ich zeichne muss ich den Ort spüren, die Architektur erfassen. Jeder Ort hat seinen Genius loci, nicht immer einfach, auf jeden Fall aber interessant. Naturbestand, Historie und Standortqualitäten gilt es mit dem Bedarf und den Bedürfnissen der Nutzer in einen Zusammenhang zu bringen. Es sollte dabei auch Platz bleiben für Überraschungen. Zusätzliche Nutzergruppen, informelle Nutzungen, Spontanvegetation und alternative Landnutzungen, das ist das reale Leben. Große Inspirationsquelle hierfür sind Naturlandschaften. Natürliche Pflanzengesellschaften begeistern mich persönlich stets neu, Sukzessionsstadien verfolge ich aufmerksam. Zwischen Pionieren und Klimaxarten liegt ein Universum.

 

HdL: Und woran arbeiten Sie derzeit gerade?

Schneider-Moosbrugger: Ein tolles Projekt ist aktuell die Freiraumplanung zum Neubau der Volksschule Schwefel in Hohenems, meine Auftraggeber sind die Architekten Zierl und Tabernig aus Innsbruck und die Stadt. Bei diesem Projekt gelang uns übrigens eine tolle Einstufung im Rahmen des Kommunalen Gebäudeausweises „Naturnah bauen“. Weiters bearbeiten wir gerade auch zwei größere Wohnquartiere, ein weites Feld was qualitätsvolle Planung für Mensch und Natur anbelangt. Zusammen mit dem Architekten und Stadtplaner Helmut Kuess bin ich an einer Quartiersplanung für ein regionales Betriebsgebiet in Krumbach im Vorderbregenzerwald, bereits jetzt ein Leuchtturmprojekt.

Insgesamt ist unser Büroalltag vielseitig, immer wieder wagen wir uns an neue Herausforderungen. Zukunftsfähige Räumentwicklungen für Menschen und Mitwelt ist unser Anspruch.

 

HdL: Was sehen Sie persönlich als wichtige Zukunftsfelder der Landschaftsarchitektur?

Schneider-Moosbrugger: Aspekte der Landschaftsarchitektur gewinnen sowohl in urbanen als auch in ländlichen Entwicklungskonzepten unaufhaltsam an Bedeutung. Raumkompetenz gepaart mit Wissen und Erfahrung zu Ökologie und Ressourcenschutz werden in Zukunft unverzichtbare Planungskomponenten. Stadtplanung bedarf der Grünkraft. Raumresilienz im Hinblick auf Wetterextreme wie Starkregenfälle oder auch Hitze wird überlebensnotwendig. Raumresilienz beginnt am Objekt, der Kreis schließt sich in der Region. Landschaftsarchitekten haben dazu viel zu sagen, das Feld der Landschaftsarchitektur ist ein weites. Landschaftsarchitektur ist jedenfalls nicht einfach nur grün-ästhetisches Beiwerk, sondern der Lebensfähigkeit von Räumen geschuldet. Dabei darf die Lebensqualität insbesondere für Menschen in Ballungsräumen bzw. Verdichtungszonen nicht aus den Augen verloren werden. Freiraumqualität und Naturerfahrung ist ein Grundrecht aller, Landschaftsarchitekten übernehmen die Anwaltschaft.

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Dipl.-Ing. Maria-Anna Schneider-Moosbrugger
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Foto: Alpia Mockenstraße, Büro LandRise / ©Petra Rainer