WAS IST DAS “LEITBILD LANDSCHAFT”?

Anlass
Komplexe übergeordnete Zielvorgaben, etwa zur Lösung der Klima- und Biodiversitätskrise, können mit herkömmlichen Tools nur schwer in regionale Landschaftsentwicklungen übertragen werden. Zudem kommt es durch Vorgaben zur Wirtschaftsentwicklung, der Ernährungs- und Versorgungssicherheit oder des Boden- und Katastrophenschutzes immer öfter zu Schutzgutkonflikten, da sich die Anforderungen nur schwer mit dem Natur- und Landschaftsschutz harmonisieren lassen. Entscheidungen werden nicht selten auf unübersichtlichen Datengrundlagen getroffen. In Österreich kommt hinzu, dass jedes Bundesland mit unterschiedlichen Instrumenten und Datentiefen arbeitet.

Das “Leitbild Landschaft” ist ein dynamisches Instrument, das nachhaltige Entwicklungen von Landschaftsräumen und Regionen in Zeiten des Wandels unterstützen kann. Ziel des Leitbild Landschaft ist es, eine einheitliche fachliche Planungs- und Entwicklungsgrundlage für Fachleute und Entscheidungsträger*innen zu schaffen, als Basis für strategische und konkrete Entscheidungsfindungen. 

Potentiale
Das „Leitbild Landschaft“ ist ein für Österreich neuartiges Instrument, das eine fundierte Daten- und Wissensbasis zusammenträgt und diese in einem dynamischen, multimedialen Online-Tool allgemeinverständlich und ansprechend aufbereitet. Aufbauend auf den räumlichen Gegebenheiten und den erstellten Datengrundlagen, werden übergeordnete Entwicklungsperspektiven für einzelne Regionen abgeleitet. Dabei können geplante oder bereits in Umsetzung befindliche überregionale oder sogar übernationale Strategien ebenso einfließen, wie Maßnahmen auf Gemeindeebene oder Aktivitäten von lokalen Initiativen. Das Leitbild Landschaft ist ein bewegliches, digitales Dokument, das laufend mit Daten und Fakten gespeist und hinsichtlich der formulierten landschaftsräumlichen Perspektiven konkretisiert werden kann. So können etwa Vorgaben aus dem Natur- und Landschaftsschutz, die sich auf Grund neuer EU Strategien ergeben, leichter auf die Maßnahmensetzung in österreichischen Regionen übertragen werden.

Wichtige Überschneidungsbereiche bestehen zu:

Biodiversitätsstrategie, Nature Restoration Law, Nationale Klimawandelanpassungsstrategie, Energieraumplanung / Zonierungspläne

Stärken des Leitbild Landschaft:

  • Allgemein verständliche Datenaufbereitung, mit Vertiefungen und Querverweisen durch Verlinkungen
  • Bereitstellung einer fundierten und für alle Regionen gleichwertigen Daten- und Faktenbasis, die frei zugänglich und für alle Nutzer*innen verständlich ist
  • Dynamisches Online-Format ermöglicht Flexibilität und Anpassbarkeit und die Integration neuer Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung
  • Regionenstruktur fördert das Denken über (Gemeinde-/Landes-)Grenzen hinaus und zeigt regionalen Handlungs- und Entwicklungsbedarf, aber auch regionale Entwicklungspotentiale auf
  • Geeignete Grundlage für transparente und nachvollziehbare Entscheidungsfindungen von Entscheidungsträger*innen für weiterführende Maßnahmensetzungen auf Ebene der Gemeinden / Regionen

Was soll/kann das Leitbild Landschaft nicht leisten?
Zonierungspläne oder Energieraumplanungen ersetzen
Bindende Vorgaben für Länder machen
Maßnahmen für konkrete Planungen vorgeben

Wen adressiert das Leitbild Landschaft / Zielgruppen?
Entscheidungsträger*innen, Planer*innen aller betroffenen Fachbereiche, Mitarbeiter*innen aus Fachabteilungen in Ministerien, Stadt- und Landesverwaltungen, Behörden, lokale Initiativen, NGOs und Verbände etc

Geplante Gliederung Österreichs in Leitbild Landschaft – Regionen
Auf Basis der Voruntersuchungen wird eine Teilraumgliederung Österreich in rund 180 – 200 Regionen empfohlen. Als Grundlage für die Teilraumgliederung haben bereits vorhandene Studien gedient, die sich landschaftsräumlich als praktikabel erwiesen haben. Auch politische Grenzen (Länder, Gemeinden) haben eine Rolle gespielt.

Konzeptionierungsphase (11/22 – 11/24)
Das „Leitbild Landschaft“ wurde im Rahmen eines zweijährigen Projektvorhabens von einem interdisziplinären Konsortium bestehend aus dem Umweltdachverband, der ÖGLA und dem Planungsbüro LACON entwickelt und anhand zweier Pilotregionen getestet. Im Rahmen mehrerer Workshops und einer Fachtagung wurde das Projekt mit Vertreter*innen der Zielgruppen diskutiert und wichtige Hinweise zur Praxistauglichkeit eingeholt und eingearbeitet. Um die großen Potentiale des Tools auszuschöpfen, gilt es das Konzept auf alle Regionen Österreichs zu übertragen. Die Rolloutphase ist in Vorbereitung.