Auf dem Gelände des geplanten Bierlokals im barocken Schwarzenberggarten zum Wiener Palais Schwarzenberg sind Bauarbeiter bei den ohnehin höchst umstrittenen Grabearbeiten, neben den Funden eines barocken Wasserbeckens vergangenen Dienstag nun auch auf eine Leiche gestoßen. Das Skelett wurde den Archäologen im Bundesdenkmalamt übergeben, dieses hat somit erneut über die Fortsetzung der Bauarbeiten zu entscheiden. Der Weiterbau ist umstrittener den je, die Liste der Gegenargumente lang. 

Laut ersten Erkenntnissen dürfte es sich bei dem Skelettfund im Schwarzenberggarten zum Palais im 3. Wiener Gemeindebezirk um die Grabstätte eines Wehrmachtssoldaten aus dem Zweiten Weltkrieg handeln. Neben den Gebeinen wurden laut Bericht auf heute.at auch Soldatenutensilien wie etwa ein Stahlhelm gefunden. 

Ob das Skelett der ausschlaggebende Grund für den vielgeforderten Baustopp sein wird, muss nun vom Österreichischen Bundesdenkmalamt geprüft werden. Die vorangegangenen Funde eines barocken Wasserbeckens waren scheinbar nicht genug die Grabungen einzufrieren, dieses wurde wie berichtet kurzerhand abgetragen und entfernt. Nun kommen eine bereits ausgehobene Leiche und mögliche weitere Leichenfunde auf die lange Liste der Argumente gegen den Bau des Bierlokals im barocken Ensemble.

Eva Berger, Professorin für Gartenkunst, Gartenkultur und Gartendenkmalpflege an der TU Wien, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten und Herausgeberin zahlreicher Publikationen, unter anderem des bedeutenden, mehrbändigen Nachschalgewerkes „Historische Gärten Österreichs“ (Böhlau Verlag), hat uns mit Hintergrundinformationen zu dem Skelettfund versorgt:

Ein spannender Text, verfasst von dem im und nach dem 2.Weltkrieg tätigen Gartenverwalters des Schwarzenberggartens, beinhaltet zwei Erwähnungen von Toten und Beisetzungen im Park. Dem Bericht von Adolf Merz, „Der für das Schwarzenbergpalais verhängnisvolle 21.2.1945 und die letzten Kriegswochen in Wien“ in den von der Fam.Schwarzenberg herausgegebenen Zs. Blau-weiße Blätter, Jg.5, Nr.2, 1957, S.21 ff. ist zu lesen: 1940 Beschlagnahme der Liegenschaft und Zwangseinquartierung der drei Adjunkten des Reichsleiters und ab 1940 Reichstsatthalters und Gauleiters von Wien, Baldur von Schirach und ab 1944 Einquartierung eines Kommandostabes der Waffen-SS im Palais. Laut Merz verhielten sich die 3 Adjunkten und die drei SS-Offiziere „anmaßend“.

Im Beitrag von Alois Sefl, (Palastverwalter in Ruhe), „15 Jahre nach Kriegsende. Das Schicksal des Schwarzenberg-Palais in Wien während des zweiten Weltkrieges“, in: Blau-weiße Blätter, 8.Jg., 1960, N.1, S.30 ff. ist  u.a. zu lesen: Reichsleiter Schirach wollte das Palais nach der Beschlagnahme bewohnen; das Denkmalamt verweigert die Ausfuhr von Möbeln etc., die Objekte wurden in Sicherheit gebracht. Ab Dez.1944 zog das Kommando des SS-Landsturmes mit seinem Oberführer ein und war bis 21.2.1945, als bombardiert wurde, hier. Ab März 1945 bis zum 8.4. standen deutsche Atrilleriestellungen auf dem Schwarzenbergplatz und im Ehrenhof des Palais. Die russischen Soldaten hielten sich ab dem 10.4.bis 31.8.1945 im Palais auf. Im Park wurden russische Geschütze in Stellung gebracht und betrieben.  Ab 1.9.1946 wurde der dritte Bezirk an die englische Besatzungsmacht übergeben, die russischen Soldaten zogen aus. In den letzten Kriegstagen wurden 18 Tote im Park bestattet, sie wurden auf Anordnung des englischen Generals, der im Nebentrakt an der Prinz Eugen-Straße wohnte, exhumiert.

Wir danken Prof. Dr. Eva Berger für die Recherche und Übermittlung der Texte.

Am 4. Februar 2019 findet an der Technischen Universität Wien ein Diskussionstag zum Thema „ZERSTÖREN? – RESTAURIEREN? – ERHALTEN? Über den Umgang mit gartenarchäologischen Funden in der Schutzzone Rennweg und die Zukunft dieses historisch wertvollen Gartenensembles“ statt. Die Teilnahme ist frei.