Die Ostregion Niederösterreichs ist von unglaublicher Dynamik und großem Siedlungs- und Nutzungsdruck geprägt. Mit mehreren umfassenden Planungsprozessen und Leitprojekten sollen nun Agrar- und Grünräume in einem „Grüner Ring“ rund um Wien und weit darüber hinaus gesichert werden. Das Projekt läutet einen politischen Paradigmenwechsel ein: die Sicherung von Grün wird handlungsleitend.

In der Ostregion rund um Wien sollen Agrar- und Grünräume in einem „Grünen Ring“ gesichert werden. Der Start zum – laut Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) – „größten Regionalplanungsprojekt in der Geschichte Niederösterreichs“ erfolgte am Mittwoch. Der Prozess soll in rund eineinhalb Jahren abgeschlossen sein. Dabei sollen Potenziale für Siedlungsentwicklung und Betriebsflächen definiert, aber auch Siedlungsgrenzen und erhaltenswerte Landschaftsteile verordnet werden. „Wir wollen den ‚Grünen Ring‘ rund um Wien schließen“, sagte Pernkopf, der in der Landesregierung unter anderem für Raumplanung zuständig ist. „Es geht um ein Miteinander zwischen Gemeinden, dem Land und der Stadt Wien“.

Entstehen sollen vernetzte Grünräume – angefangen vom Biosphärenpark Wienerwald bis zum Nationalpark Donau-Auen und vom Weinviertel und Marchfeld bis zum Leithagebirge. In den kommenden Tagen bzw. Wochen beginnen zwei Leitplanungen im Bezirk Gänserndorf und im Gerichtsbezirk Schwechat. Beim Start sollen Vertreter aller Gemeinden anwesend sein, dann soll gemeinsam mit Experten gearbeitet werden. Im Nordraum Wien, im Wienerwald und im Bezirk Mödling ist die Leitplanung bereits abgeschlossen. Dazu kommen Projekte wie LENA zum Erhalt und zur Weiterentwicklung einer identitätsstiftenden Baukultur im Römerland Carnuntum, die Revitalisierung des Petersbachs in Vösendorf (Bezirk Mödling), ein Ökologiekonzept für Fischamend und Rauchenwarth (beide Bezirk Bruck a.d. Leitha), der Regionalpark „Drei Anger“ in Gerasdorf (Bezirk Korneuburg), Wien-Floridsdorf und -Donaustadt sowie ein Projekt zur ökologischen Verbesserung der Windschutzgürtel in der Airportregion.

Thomas Knoll, Präsident der ÖGLA (Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur), betont die Wichtigkeit des Projekts: „Das Projekt ist sowohl vom Umfang als auch von seinem zukunftsweisenden Ansatz her einzigartig in Österreich.“ Grünräume würden in der gesamten Ostregion für Landwirtschaft und als Erholungs- und Rückzugsräume gesichert. „Alle Planer und die meisten politisch Verantwortlichen haben erkannt, dass sehr viel in die Stadtentwicklung im Wiener Umland gesteckt wurde, jetzt aber mindestens soviel für den Erhalt der Grünräume investiert werden muss.“ Die länderübergreifende Abstimmung sei dabei ein zentraler Ansatz. Das Projekt Wienerwald habe bereits vor Jahren erfolgreich gezeigt, wie es geht. Der „Grüne Ring“ müsse nun vollendet werden. „Wenn das jetzt nicht passiert, ist es für alle Zeiten zu spät“, ist Knoll überzeugt. Er betonte auch mit Blick auf den Klimawandel: „Grünräume sind die wichtigste Strategie zur Klimaanpassung.“