BOKU Altrektor Manfried Welan, ein großer Förderer der Landschaftsplanung und -architektur, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Aus diesem traurigen Anlass veröffentlichen wir ein Gespräch, das Manfried Welan und Stephanie Drlik im Sommer 2020 an einem wunderbaren Sommertag, nicht wie sonst im Cafe Schwarzenberg bei Kakao und Kipferl, sondern damals coronakonform an einem seiner anderen Lieblingsorte geführt haben – dem Belvedere-Garten. Der Landschaftsfreund und Visionär Welan war als Rektor maßgeblich für die Einrichtung des Studiums „Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur“ an der Universität für Bodenkultur verantwortlich. 1981 startete der Studienversuch, davor und danach ist viel passiert. Die Existenz der in unserer heutigen Zeit so bedeutenden Disziplin, der Professor Welan bis zuletzt verbunden blieb, ist auf sein Engagement, sein geschicktes Agieren und auf seinen Weitblick zurückzuführen. Wir werden Manfried Welan und seine klugen, optimistischen und stets menschenfreundlichen Beiträge vermissen.

Das Gespräch ist erstmalig in zoll+ Landschaft und Freiraum Nr. 37 / Dezember 2020 erschienen.


Drlik: Professor Welan, Sie gelten als Spiritus Rector des heutigen Studiums Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur in Wien. Bedenkt man, wie notwendig und wichtig das Fach heute geworden ist, war es ziemlich vorausschauend, dieses Studium ins Leben zu rufen!

Welan: Am Anfang stand die Leidenschaft des BOKU-Professors Friedrich Woess, der das Fach Gartenbau zur Grünraumgestaltung führte. Er wollte die künstlerisch-schöpferische Arbeit auf eine breite biologisch-ökologische und technische Grundlage stellen. Also Kunst und Wissenschaft verbinden. Darin habe ich ihn unterstützt.

Drlik: Zwei Visionäre!

Welan: Österreich ist Landschaft. 98 Prozent der Österreicher*innen schätzen die Landschaft als unseren höchsten Wert ein, wenn man sie nach Österreich fragt. Auch die Realbedingungen geben dem recht, Österreich bedeutet Landschaft: Allein 85 Prozent sind der Land- und Forstwirtschaft gewidmet. In den Hymnen wird das besungen, in den Staatszielen von Bund und Ländern ist vom umfassenden Umweltschutz die Rede, die Identifizierung mit der Landschaft gilt als höchstes der patriotischen Gefühle. Ein zuständiges Studium der Landschaft hat daher gefehlt und das haben wir damals erkannt.

Drlik: Von der ersten Idee bis zur Einführung eines Studiums hat es dann aber noch lange gedauert.

Welan: Zuerst wollte Woess etwas an der BOKU mit der Akademie der bildenden Künste entwickeln. In den frühen 1970er Jahren entstand dann die Idee eines gemeinsamen Studiums „Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung“ an der TU Wien und der BOKU, gedacht als Erweiterung von „Raumplanung und Raumordnung“. Der damalige TU-Rektor Hiesmayr teilte die Meinung, dass es Bedarf für dieses Studium gäbe. Doch die Verhandlungen haben sich gezogen und es gab unüberwindbare bürokratische Hürden.

Drlik: Wie hat es das Studium dann doch als Curriculum an die BOKU geschafft?

Welan: Das ist der vorwärtsdrängenden Energie der Studierenden geschuldet, sie hat einen Weg gefunden. Das Studium irregulare „Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung“ wurde von den Studierenden selbst entworfen. Durch die Vielfalt der Fächer bot die BOKU dafür ideale Voraussetzungen. Ende der 1970er Jahre hatten bereits 60 Studierende das Studium aktiviert. Ich habe mich sehr darüber gefreut und bin stolz auf alle, die dieses Studium in dieser Phase abgeschlossen haben.

Drlik: Wie ist es weitergegangen?

Welan: 1979 legte ich als Vorsitzender der österreichischen Rektorenkonferenz und mit Unterstützung der Bundesministerin Hertha Firnberg dar, warum dieses Studium für Österreich so wichtig wäre. Für sie war es ein „Modestudium“, doch die Wissenschaftssprecher der großen Parteien, Sepp Wille und Heinrich Neisser, sahen das anders und engagierten sich dafür. Der damalige Präsident der Naturfreunde, Heinz Fischer, unterstützte mich auch. Unter der Leitung von Professor Fritz Kastner begann eine große konzertierte Aktion für ein Vollstudium. Alle in Frage kommenden Stellen wurden dabei kontaktiert und die Mehrzahl unterstützte uns.

Drlik: Doch die Studienrichtung „Landschaftsplanung und Landschaftspflege“ gibt es regulär erst seit 1993. Was ist zwischen 1979 und 1993 passiert?

Welan: Im Jahr 1980 kam es zu einem einstimmigen Beschluss des Universitätskollegiums für das Studium. Doch das Ministerium antwortete, dass es vor der Einrichtung zweckmäßig wäre, die Erfahrung einer größeren Anzahl an Absolventinnen hinsichtlich der Anforderungen der Praxis abzuwarten.

Drlik: Also eine neuerliche Verzögerung?

Welan: Ich habe wieder bei Wille, Neisser und Fischer interveniert und es starteten Gespräche zwischen den Vertreterinnen der BOKU und dem Bundesministerium. Weihnachten 1980 war es dann so weit: 1981 wurde mit dem Studienversuch begonnen, mit damals 112 Studierenden. Als ich 1991 das dritte Rektorat antrat, waren es bereits 1.050 Hörer*innen. Bald darauf legte Bundesminister Busek den für die Einführung der Studienrichtung notwendigen Ministerialentwurf über die Novelle vor. Im Frühjahr 1993 konnte ich dann die Studienrichtung „Landschaftsplanung und Landschaftspflege“ der Öffentlichkeit vorstellen.

Drlik: Wenn jede gute Idee so viel Umsetzungsenergie und -zeit braucht, wie die damalige Einführung des Landschaftsplanungsstudiums, werden wir die Wende zu einer nachhaltigeren Gesellschaft nicht schaffen.

Welan: Ich habe meine Zweifel, ob wir aus der großen Geschichte viel lernen, aber aus der kleinen vielleicht. Aus der Entstehungsgeschichte dieser Studienrichtung konnten wir jedenfalls Wichtiges erkennen: Selbst das eigentlich Selbstverständliche hat es als Neues schwer. Aber Ausdauer erreicht viel! Wer etwas Neues durchsetzen will, muss außerdem eine Gemeinschaft bilden, die von einer regulativen Idee getragen wird und die notwendige vorwärtsdrängende Energie entfalten kann, um Politik in Bewegung zu setzen. Man braucht einen langen Atem, diesen hatten wir. Die Studierenden hatten gute Lungen und wir haben zur richtigen Zeit gehandelt. Das neue Studium war eine Antwort auf die ökologischen Herausforderungen und auch eine Antwort auf die Verhässlichung Österreichs.


Em. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. Manfried Welan war seit 1969 Professor für Recht und Politik an der Universität für Bodenkultur Wien, Vorstand des Institutes für Rechtswissenschaften und mehrmals Rektor der BOKU Wien sowie Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz. Zwischen 1983 und 1991 war Welan Politiker in Wien.

Nachruf der ÖGLA und des BOKU RaLI

Der ausführliche Nachruf der BOKU University

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