Tatjana Fischer und ihr Team am Institut für RUB haben für das Forschungsprojekt „CE-Spaces4All– Accessible Spaces for All – Improving Accessibility of Tourism for Persons with Disabilities in Central Europe“ den BOKU Diversitätspreis Forschung – Anerkennungspreis 2024 erhalten.
In der EU-Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen 2021-2030 wird der Stellenwert des unabhängigen Reisens und des Zugangs zu Freizeitaktivitäten betont. Allerdings mangelt es an solidem Wissen darüber, 1. welche Einflussfaktoren darüber bestimmen, ob Menschen mit Behinderungen sich das Reisen und Unterwegssein in der Freizeit überhaupt – und wenn ja, in welcher Art und Weise – „zutrauen“, 2. welche Bedeutung hierbei der Art der Behinderung zukommt und 3. wodurch Menschen mit Behinderungen bestmöglich bei der Reiseplanung und während der Reise unterstützt werden können.
Das dreijährige Forschungsprojekt „Accessible Spaces for All – Improving Accessibility of Tourism for Persons with Disabilities in Central Europe“ (kurz CE-Spaces4All), welches durch Interreg – Central Europe gefördert wird, möchte Antworten auf diese Fragen geben und einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für die Bedürfnisse und Bedarfe von Menschen mit Behinderungen leisten.
Im Verständnis der Projektwerbenden beruht die EU-Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen 2021-2030 auf den beiden Prinzipien Inklusion und Diversität. Deshalb wurde dieses Pilotprojekt inter- und transdisziplinär aufgesetzt, um die Perspektiven und Kompetenzen von Behörden, dem Tourismussektor und Menschen mit Behinderungen zusammenzubringen und Wissensbausteine für die Entwicklung eines (auch in andere (ländliche) Regionen übertragbaren) Governance- Modells für einen inklusive(re)n und „barriereärmeren“ Tourismus liefern zu können. In diesem Zusammenhang spielt die Umsetzbarkeit eines sog. „universal design“, d.h. für alle Menschen zugängliche und nutzbare (öffentliche) Räume, (Dienstleistungs- )Angebote und Gebäude eine zentrale Rolle. Das sowie die Tatsache, dass im Rahmen des Audits der Umsetzung der UN- Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen für Österreich im zweiten Halbjahr 2023 festgestellt wurde, dass Raumplanung dafür ein wichtiger Politikbereich ist, begründet und „rechtfertigt“ gleichermaßen, warum der österreichische Projektpartner das Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung (IRUB) ist. Dadurch ist garantiert, dass die obigen Fragen im Kontext der (bereits) gebauten Umwelt erörtert und realistisch eingeschätzt werden und bei der Entwicklung der zu setzenden Maßnahmen die Gemeinwohlorientierung im Zentrum steht. Das BOKU-Team – wie auch die Partner*innen aus den sechs anderen Ländern – arbeitet dabei eng mit Praxispartner*innen – in Österreich ist dies allen voran der Weinviertel Tourismus – und Behindertenorganisationen zusammen. Die Erhebung und Analyse der Bedürfnisse und Bedarfe der Zielgruppe erfolgen unter Beteiligung von Personen mit Gehbehinderung sowie blinden und sehschwachen Personen. Die thematische Steuerung der Projektaktivitäten und die Berücksichtigung der seitens des BOKU-Team erarbeiteten Ergebnisse sind im Projekt dadurch gesichert, dass das IRUB auch Mitglied des Projektmanagementgremiums ist.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter folgendem Link: https://boku.ac.at/rali/irub/kooperationen/ce-spaces4all-interreg-projekt
Statement der Jury
Das Forschungsprojekt CE-Spaces 4All – Accessible Spaces for All – Improving Accessibility of Tourism for Persons with Disabilities in Central Europe befasst sich mit dem Thema inklusiver Tourismus und nimmt unabhängiges Reisen von Menschen mit Behinderungen in den Fokus. Die Forschung orientiert sich an der UN Behindertenrechtskonvention und nimmt die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in den Blick. Ziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung eines digitalen Instruments zur Aufnahme von Barrieren in öffentlichen Räumen und in der Natur. Besonders hervorzuheben ist das Ziel, die Infrastruktur für reisende Menschen mit Behinderung zu optimieren, um diesen mehr Teilhabe und Sichtbarkeit im Alltag gewährleisten zu können.
Das Forschungsprojekt ist international und interregional ausgerichtet. Die Jury begrüßt den transdisziplinären Ansatz und die Herangehensweise, vielfältige Stakeholder und Praxispartner*innen einzubinden – etwa Behörden, potentielle Usergroups und den Tourismussektor.
Accessible Spaces for All umfasst ein großes und diverses Projektteam, in dem Forschende und Kooperationspartner*innen mit unterschiedlichen körperlichen Behinderungen vertreten sind. Das Credo lautet nicht, zu Menschen mit Behinderung, sondern gemeinsam mit Menschen mit Behinderung zu forschen.
Die Jury möchte im Besonderen die hohe gesellschaftliche Relevanz des Forschungsprojekts Accessible Spaces für All hervorheben. Aufgrund der breiten inter- und transdisziplinären Diskussion sowie der Präsenz in der internationalen Fachöffentlichkeit erlangt das Projekt Accessible Spaces for All, das für die BOKU von Tatjana Fischer mit ihrem Team geleitet wird (die Gesamtprojektleitung liegt beim Geodetic Institute of Slovenia) große Strahlkraft weit über die BOKU University sowie die beteiligten Partnerorganisationen hinaus und verdient als zukunftsweisendes Projekt den Anerkennungspreis des Diversitätspreis Forschung 2024.
Informationen zum Projekt
Informationen zum Preis






















